
Aktionsideen zum Filmclip „Versteck dich“
„Eine Spur ist weder eine Anwesenheit noch eine Abwesenheit“ (Derrida)
Der Titel zu unserem Filmclip „Versteck Dich“ ist angelehnt an Jürgen Grässlins Buch „Versteck Dich, wenn sie schießen“ (das kostenlos Heruntergeladen werden kann). Der Titel des Buches ist eine Weisheit, welche Samiiras Mutter ihren sieben Kindern auf der Flucht vor dem sicheren Tod in ihrem Versteck auf einem weiten Feld nahe bringt. Der Titel verweist auch auf die Todesangsterfahrung von Samiira Elmi und ihrer sechs Geschwister.
Für uns ist eine solche Situation schwer vorstellbar. Um der Perspektive der Opfer auf die Spur zu kommen, hilft möglicherweise die Erinnerung an eine „harmlose“ Furcht, der wir folgen können, um wenigstens zu erahnen, was eine „Entdeckung“ bedeutet. Gemeint ist die Furcht, die man als Kind beim Versteckspiel erlebt. Hier bedeutet die Entdeckung im Gegensatz zu der Erfahrung Samiiras und ihrer Geschwister nicht den Tod, bleibt jedoch, wie in den Gesprächen unter den Stage Divers(e) zur Vorbereitung des zweiten Clips für die Aktion „Aufschrei“ ersichtlich wurde, eine Erfahrung, die sich bei vielen eingeprägt hat.
Wie fühlt man sich, wenn man hofft, nicht entdeckt zu werden, warum auch immer? Ausgeliefert? In Hochspannung? Bedroht? Ent-deckt? Was bedeutet diese Unsicherheit?
Da aus allen Aktionen ein Theaterstück entstehen soll, bitten wir um Zusendung des Dokumentationsmaterials an: info(at)stage-divers-e.de. Dokumaterial kann sein: Video- oder Audiomitschnitte, Protokolle, Fotos, aber auch entstandene Gedichte, Geschichten oder ähnliches. Schreibt uns einfach, wir melden uns dann bei Euch!
A) Idee zur Arbeit mit Schulklassen und Gruppen, um sich gefühlsmäßig der Perspektive der Opfer zu nähern
Variante 1: Das Warten
Benötigt wird hierfür lediglich eine dicke Decke, unter der es dunkel ist und ein Diktiergerät. Jeweils einer setzt sich unter die Decke. Entweder hört er den Clip oder eine weitere Person zählt von 60 herunter. Die Person unter der Decke verharrt einfach und lässt die Erfahrung wirken. Erst wenn sie selbst es für angemessen hält, entfernt sie die Decke und kommt „aus der Deckung“. Danach werden die Erfahrungen der Person unter der Decke im Interview erfragt oder eingefangen. Sie sollten auf Tonband aufgenommen werden um es den Stage Divers(e) zu ermöglichen, an den Erfahrungen teilzuhaben.
Variante 2: Die Bedrohung
Zwei Personen werden die Augen verbunden. Einer ist der Suchende, einer der Gesuchte. Die übrigen im Raum leiten die Suche durch die Variation der Lautstärke des Satzes „Versteck dich!“ (wie beim Spiel „Topfschlagen“): je näher der Suchende kommt, desto lauter, je weiter er weg ist, desto leiser wird im Chor gesprochen. Man kann den Chor auch weglassen und die Suche findet in absoluter Stille statt. Im anschließenden Gespräch im Kreis sollen sowohl die Erfahrungen des Suchenden, des Gesuchten, als auch die des Sprecherchores festgehalten werden. Wie und wann verändern sich Stimmungen? Wo liegt die Grenze zwischen Spiel und Ernst?
Spiel und Gespräch sollte mit dem Diktiergerät aufgenommen und an die Stage Divers(e) übersandt werden.
B) Idee für eine Straßenaktion
Anders als in geschlossenen Räumen ist die Situation auf der Straße zu unruhig, um jemanden einfach unter eine Decke zu stecken und danach darüber zu reflektieren. Unser Vorschlag ist deshalb, bei Straßenaktionen, zusätzlich zu einem Informationsstand (mit Broschüren und Unterschriftenliste sowie einem Laptop, auf dem Clip 2 laufen kann), mit einer Art Flashmob Impulse zu setzen.
Hierfür benötig man (zusätzlich zum Infostand)
Bis zu 26 Bettlaken, je 13 in weißer Farbe (schwarze Aufschrift) und 13 in schwarzer Farbe (weiße Aufschrift) symbolhaft für das Verstecken vor etwas: einmal aus der Perspektive von Opfern des Waffenhandels, einmal aus der Perspektive von Tätern (Beispiele siehe unten). Die Laken sind in Rucksäcken oder Taschen verpackt. Wenn jemand laut ruft „Versteck dich!“ zieht man die Laken schnell heraus und zieht sie sich so über den Kopf, dass man die Aufschrift klar lesen kann. So bleibt man einige Minuten als Gesamtinstallation sitzen/stehen. Danach steckt man das Laken wieder ein, löst die Spannung auf. Gleichzeitig macht es Sinn, gezielt die Aktionsbroschüren an Umstehende zu verteilen und auf den Kampagnenstand mit Unterschriftenliste zu verweisen, auf dem auch der Laptop steht und Clip 2 gezeigt wird. Die Aktion kann mehrfach wiederholt werden. Für die Stage Divers(e) wären Videomitschnitte interessant, auf welcher die Reaktionen der Umstehenden auf die Performance sichtbar sind.
Folgende Aufschriften schlagen wir vor (immer nur ein Satz auf jedem Laken):
Versteck Dich vor dem Lauf
Versteck Dich in der Minute
Versteck Dich, wenn sie schießen.
Versteck Dich vor Anonymität
Versteck Dich vor der Zukunft
Versteck Dich vor ihren Interessen
Versteck Dich vor ihrem Wohlstand
Versteck Dich vor den Folgen von 26/2
Versteck Dich vor dem Ungewissen
Versteck Dich vor ihren Maschinen
Versteck Dich vor der Gier
Versteck Dich unter der Decke
Versteck Dich vor dem Spiel
Versteck Dich hinter 26/2
Versteck Dich vor Verantwortung
Versteck Dich vor Information
Versteck Dich vor Deiner Stimme
Versteck Dich vor Engagement
Versteck Dich vor der Minute
Versteck Dich in der Anonymität
Versteck Dich vor der Vergangenheit
Versteck Dich hinter dem Lauf
Versteck Dich unter der Decke
Versteck Dich in der Lobby
Versteck Dich hinter dem Exportweltmeister
Versteck Dich vor der Entscheidung



